Öffentliche Meinungsforschung in Serbien, Oktober 2016

Die öffentliche Meinung besteht nicht als solche, sondern es können bestenfalls Tendenzen gefunden werden, die in gegebenen Umständen in der Richtung der Gestaltung einer öffentlichen Meinung wirken. Jirgen Habermas

 

Öffentliche

Öffentliche Meinungsforschung in Serbien, Oktober 2016

Die öffentliche Meinung besteht nicht als solche, sondern es können bestenfalls Tendenzen gefunden werden, die in gegebenen Umständen in der Richtung der Gestaltung einer öffentlichen Meinung wirken. Jirgen Habermas

 

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Srećko Mihailović | Demostat | Beograd 16. Jul 2018 | Analysen

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Fragmente der Realitätskonstruktion der öffentlichen Meinung, Oktober 2015

Die Vorstellungen von der Realität (oder, präziser, Realitätskonstruktionen) werden von den gesellschaftlichen Akteuren immer „nach dem eigenen Bilde“ gestaltet. Diese Vorstellungen sind viel mehr Ergebnisse der Wünsche und Hoffnungen der Gestalter als Aufnahmen der brutalen Realität. Man schließt die Augen vor dem, was man nicht haben will und man ruft herbei das, was man sich wünscht. Wenn wir die Realitäten wie Gebäude betrachten, sehen wir in manchen Gebäuden mehr hartes Material, in anderen mehr schöne Wünsche. Die Einen übertreiben es mit der Hervorhebung des Reichtums und die Anderen mit der Betonung der Armut. Die Einen verstecken Reichtum, die Anderen die Armut. Und beides ist nicht versteckbar, so sagt wenigstens der berühmte Spruch.

Die Wirklichkeit ist ein und dieselbe, aber die Geschichten über die Wirklichkeit sind unterschiedlich, das sind unterschiedliche Gebäude, die von den Interessen und Bedürfnissen der Akteure abhängen (unabhängig davon ob es sich um materielle oder ideologische Interessen handelt).

Wir haben unterschiedliche öffentliche Meinungen, unterschiedliche Öffentlichkeiten. Es unterscheidet sich die Wirklichkeit, es unterscheidet sich die Öffentlichkeit der Parteien an der Macht und der Parteien in der Opposition, es unterscheiden sich die Wirklichkeit/Öffentlichkeit, die uns von einem Medienhaus dargestellt wird von der Wirklichkeit/der Öffentlichkeit, die uns vom anderen Medienhaus vorgestellt wird. Auch das Bild der Wirklichkeit, die uns von Ökonomisten dargestellt wird, unterscheidet sich von derjenigen, die uns von Soziologen vorgestellt wird. Diese unterschiedlichen Perzeptionen stehen vielmehr in Konflikt als das sie gegensätzlich wären. Die Aufgabe der Forscher ist es, diese Unterschiede zu erklären und auf die Fundamente hinzuweisen, auf welchen sie entstehen.

Die Diskussion über die „Objektivität“ der Geschichte über die Öffentlichkeit erfolgt in einer virtuellen Welt, zu welcher es keinen Zutritt gibt für diejenige, die als einzige maßgebende Richter wären. Die Bürger stellen immer nur „den Stoff“ dar, mit welchem die erwähnten Diskussionen gestaltet werden. Und wieso soll man „den Stoff“ irgendetwas darüber fragen?

Daher macht es Sinn zu fragen: Was für eine Geschichte haben die Bürger? Es gibt Sinn, natürlich, nur wenn der Fragende nicht aus der Perspektive der Vorurteile und der einseitigen, klassenspezifischen und fragmentierten Stellungnahmen spricht. Den Befragten soll man vertrauen, aber nur wenn richtige Fragen gestellt werden; für schlechte Fragen gibt es keine richtigen Antworten.

In der Wirklichkeit, die unsere Bürger gestalten oder in der Wirklichkeit, die unsere Bürger sehen, gibt es mehr Hoffnung als Hoffnungslosigkeit und mehr Ängste als Angstlosigkeit. Diese Wirklichkeit wurde auf Emotionen, auf guten und schlechten Launen, auf Bestrebungen und unerfüllten Wünschen, auf unterschiedlichen psychologischen Erlebnissen der Kluft zwischem was man sich wünscht und dem was erreichbar ist und was wahrscheinlich erzielt wird gestaltet. Aus dem Grund sind in der öffentlichen Meinung immer mehr Perzeptionen der Wirklichkeit und „Gefühle der Wirklichkeit“ anwesend und nicht Interpretationen der Wirklichkeit. Vieles kann dabei gesehen, perzipiert werden, was aber durch einen Denkprozess nicht interpretiert wird... Daher haben die Forscher Probleme wenn es darum geht, das Gesehene und die Bewertung des Gesehenen von der Deutung des Gesehenen abzugrenzen und dann zu verstehen woran sie sich orientieren sollen, an Perzeptionen, Gefühle oder Interpretationen. Die Perzeption ist vor allem persönlich, individuell, und Bewertungen und Interpretationen sind häufiger Gruppenbewertungen und kollektive Interpretationen. Aus dem Grund ist der Angriff unterschiedlicher Gestalter der Wirklichkeit gerade auf die Bewertung und Interpretation der bemerkten Wirklichkeit gerichtet. Die einen versichern uns, dass es uns schlechter geht als es uns in Wirklichkeit geht, und die anderen dass es uns besser geht als in Wirklichkeit.

In der extremen Form greift der dominante Gestalter die Perzeption der Wirklichkeit selbst an. Also „Das was du siehst ist nur der Schein; sieh mit meinen Augen und du wirst sehen was du sehen sollst!“

Der Sinn ist darin zu finden, was Walter Lippman vor fast ein hundert Jahren bemerkte: die Menschen benehmen sich in Einklang mit ihrer Wahrnehmung der Wirklichkeit und nicht aufgrund eines „objektiven“ Bildes dieser Wirklichkeit. Das bedeutet, dass das Bild der Wirklichkeit des Befragten nicht in Einklang mit der wirklichen Welt sein muss, oft ist es das auch nicht, aber das stört ihn nicht gerade seiner Wahrnehmung der Wirklichkeit zu folgen oder dem Bild, das ihm so oder so als sein eigenes Bild der Wirklichkeit aufgezwungen wurde.

Das Problem ist, dass es einfacher ist die Vorstellung über die Wirklichkeit zu ändern als die Wirklichkeit selbst. Viele Parteien an der Macht und Regierungen, einschließlich unserer, wählen den einfachen Weg. Ist das nicht menschlich – und auch „rational“?

 

(1)

Mindestens sieben Ergebnisse aus der öffentlichen Meinungsforschung vom Oktober sind besorgniserregend

 

Obwohl, generell betrachtet, die Ergebnisse dieser Forschung mehr besorgnisserregend als erfreulich sind, erlaubt es die nähere Einsicht in die Perzeptionen, die Gefühle, Werte und Meinungen der Bürger Serbiens, dass jeder in ihnen etwas Gutes und etwas Schlechtes sieht, in Einklang mit der eigenen Wahrnehmung der Gesellschaft und der Politik. Damit in Zusammenhang habe ich sieben, meiner Ansicht zufolge, sehr besorgniserregende Ergebnisse gewählt. Die Tatsache, dass die meisten dieser Phänomene nicht neu sind, minimisiert nicht das Bedürfnis nach ihrer Analyse, nach der Analyse der Folgen und dem Verstehen der Möglichkeiten die Dinge zu verbessern.

1)  Die Anzahl der autoritär orientierten Bürger Serbiens ist sehr groß. Drei Fünftel (61%) sind autoritär, nicht autoritär sind nur 11% und 28% wissen nicht genau worum es sich handelt. Das sind die Bürger, die das Autoritäre und nicht Autoritäre verwechseln, sie können keinen Unterschied machen und akzeptieren sowohl Behauptungen der autoritären als auch der nicht autoritären Orientierung. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der autoritären und der nicht autoritären Befragten ist 6:1.

 

 

2)     Die ethnische Distanz zu den Völkern im Umfeld, und wahrscheinlich auch zu den ethnischen Minderheiten in Serbien, ist beträchtlich. Auf die Frage wie nahe steht ihr Volk den Völkern im Umfeld antworteten 43%, dass die Völker distanziert sind und 10% antworteten, dass sie einander nahestehen. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Befragten, die eine Distanz zwischen ihrem Volk und den Völkern im Umfeld bemerken und denjenigen, die nahestehende Beziehungen bemerken ist 4:1.

 

 

3)  Das verwirrte Verhältniss zur Demokratie als Wert dominiert. Ein Fünftel der Befragten hat ein positives Verhältnis zur Demokratie als Wert, ein Viertel hat ein negatives Verhältnis zur Demokratie und sogar 56% der Befragten ist nicht in der Lage die demokratischen von nichtdemokratischen Aspekten abzugrenzen.

  

4)   In der Verteilung der gesellschaftlichen Macht wird eine niedrige Ebene der Macht der Institutionen der Gesellschaft und des Staates perzipiert (sie befinden sich am vorletzten Platz unter zehn Machtträgern). Das Parlament Serbiens wurde auch sehr niedrig rangiert, das Parlament befindet sich am fünften Platz unter zehn Trägern der politischen Macht. (Man könnte aber die Tatsache, dass die Hälfte der Befragten in dieser gesetzgebenden Behörde die Konzentration der Macht und des Einflusses sieht, auch als ein nicht so schlechtes Ergebnis sehen, vor allem wenn man dieses Ergebnis mit dem traditionell niedrigen Vertrauen der Bürger in das Parlament Serbiens vergleicht.)

5)    Hohe Beteiligung des „ausländischen Faktors“ in der Verteilung der gesellschaftlichen Macht wird perzipiert (IWF und die Weltbank sind an zweiter Stelle – gleich nach Vučid, die EU- Institutionen sind an vierter, ausländische Institutionen an siebter und ausländische Unternehmen in Serbien an achter Stelle).

6)   Es zeigte sich eine Distanz gegenüber der Politik und eine ziemlich verbreitete Stimmung, die gegen politische Parteien orientiert ist. Drei Fünftel der Befragten (62%) sind apolitisch oder gegen die Politik, fast ein Drittel (31%) ist an der Politik interessiert und bemüht sich über politische Ereignisse informiert zu sein und nur 7% ist mittelmäßig oder etwas mehr aktiv. Sogar 85% der Befragten sagen, dass ihr Einfluss auf die Politik gering oder unbestehend ist und 7% sagten ihr Einfluss sei mittelmäßig oder groß. Die Stimmung gegen die politischen Parteien ist ziemlich verbreitet und dieses Verhältnis zu Parteien schafft wahrscheinlich antipolitische Meinungen und antipolitisches Benehmen (zum Beispiel, fast ein Fünftel der Befragten behauptet, dass sie politische Parteien nicht ausstehen können). Ein negatives Verhältnis zu politischen Parteien zeigen 56% der Befragen und nur 5% habe ein positives Verhältnis zu politischen Parteien, während die restlichen 39% eine gemischte, positive und negative, Meinung über politische Parteien haben. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Befragten mit dem negativen Verhältnis und der Anzahl der Befragten mit dem positiven Verhältnis zu politischen Parteien ist 11:1.

 

 

 

 

7)  Ängste sind weit verbreitet – die Bürger haben vor allem Angst vor Krankheiten und einer ungewissen Zukunft (vier Fünftel der Bürger haben Ängste und ein Fünftel ist „furchtlos“).

Im Gegesatz zu Forschungsergebnissen, die Sorgen verursachen, gibt es auch Ergebnisse, die auf positive Trends hinweisen. Auch wenn diese Anzeichen von positiven Änderungen gut sind nur weil die Situation bis vor kurzem noch schlecher war, ist es gut!

1)   Die Mehrzahl der Bürger Serbiens sagt, dass sie mittelmäßig oder gut leben – drei Viertel sagen das, wobei ein Viertel sagt, dass sie schlecht leben. Doch der Prozentsatz derjenigen, die sagen, dass sie gut leben (27%) ist derselbe, wie der Prozentsatz derjenigen, die sagen, dass sie schlecht leben (26%). Es ist gut, dass fast die Hälfte der Bürger sagt, dass sie (wenigstens) mittelmäßig leben!

2)  Fast die Hälfte der Bürger ist zufrieden mit ihrem Leben (48% ist zufrieden im Gegensatz zu 20% derjenigen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind). In den Benotungen von eins bis fünf bekam die durchschnittliche Zufriedenheit 3,30. Das ist fast dieselbe Ebene der Zufriedenheit der Bürger, wie diejenige die im Frühling in Kroatien festgestellt wurde (Pilar Barometer, Frühling 2016). In der Forschung Quality of Life – Fact and Views aus 2013 in den Benotungen von 1 bis 10 war Serbien unter 32 europäischen Ländern mit 4,9 am vorletzten Platz vor Bulgarien (4,8).

3)    Die meisten Bürger haben Hoffnung und andere Gefühle mit positiver Energie – diese Gefühle sind bei etwas mehr als der Hälfte der Bürger (54%) zu finden, wobei zwei Fünftel (40%) der Bürger Gefühle mit negativer Energie haben (Besorgnis und Angst, Machtlosigkeit und Pessimismus, Gleichgültigkeit). Die Hoffnung erscheint als die einzige Möglichkeit den Determinismus des Kampfes für die Existenz zu zerbrechen. Die Hoffnung ist der Ausweg aus dem Kampf ums Überleben, auch wenn sie nur virtuell und mehr oder weniger eine Utopie ist. Aus dem Grund ist die Hoffnung gut für die Manipulation, für einen gewissen politischen Handel. Ihre Verführung ist nicht umsonst und diejenigen, die nur noch die Hoffnung übrig haben müssen den vollen Preis zahlen. Doch trotzdem ist es gut, dass unter fünf von uns zwei die Hoffnung haben und glauben, dass es besser wird!

4)   Das Gefühl der eigenen Macht ist relativ verbreitet. Ein Drittel der Befragten sieht sich selbst als mächtige Individuen, das Gefühl der Hilflosigkeit verfolgt ein Viertel der Befragten, während etwas mehr als zwei Fünftel der Befragten ein gemischtes Gefühl der eigenen Macht und der Hilflosigkeit verspüren.

 

 (2)

Wer hat die Macht Serbien zu ändern?

Eines der ausschlaggebenden Ergebnisse dieser Forschung ist das Ergebnis, das über die fast absolute politische Macht von Aleksandar Vučid, des Premierministers Serbiens zeugt. Acht von zehn Befragten sagten, es sei wahr, dass Macht und Einfluß in der Person von Aleksandar Vučid konzentriert sind (80%). Gleich hinter ihm befinden sich das IWF, die Weltbank und ähnliche Kapitaleigentümer, die für 70% von Befragten die Konzentration von Macht und Einfluß in ihren Händen halten. Es folgen einheimische Kapitalisten und Tycoons, deren Macht von 67% Befragten perzipiert wird und EU Institutionen („Brüssel“), deren Macht von 63% der Befragten perzipiert wird.

Die Konzentration von Macht und Einfluß in den Händen von Aleksandar Vučid wird von 83% der Befragten mit einem dreijährigen Mitelschulabschluß, von 78% der Befragten mit einem vierjährigen Mittelschulabschluß und 76% der Befragten mit dem Hochschul- oder Universitätsabschluß perzipiert. Nur im Falle der Befragten mit Universitätsabschluß verbinden etwas mehr Befragte die Macht mit dem IWF und der Weltbank (80%) als mit Vučid (76%).

Dass es für das Volk Serbiens am besten ist so einen Leader wie Aleksander Vučid zu haben denken 65% der Befragten mit dem Grundschulabschluß oder derjenigen, die keinen Grundschulabschluß haben, 53% derjenigen die dreijährige oder zweijährige Mittelschulen abgeschlossen haben, 42% der Befragten mit dem vierjährigen Mittelschulabschluß und 33% der Befragten mit dem Hochschul- oder Universitätsabschluß. Im Durchschnitt denkt die Hälfte der Befragten (51%), Vučid sei das Beste das uns hätte passieren können. So ein Ergebnis ist gleich hinter dem Ergebnis von Tito, der von 60% der Befragten als der Beste bewertet wurde.

Wenn wir von den Befragten wissen wollen welcher von den sechs Leadern der beste ist, sagen die meisten (32%) es sei Tito und 31% sagen es sei Vučid. In der Gruppe von sechs

Leader führt Tito bei allen Bildungsgruppen und Vučid nur bei Befragten mit dem Mittelschulabschluß, im Verhältnis von 28% : 25%.

Reihenfolge: Welcher von diesen Führern ist der Beste?

%

1. Josip Broz Tito

32%

2. Aleksandar Vučid

31%

3. Zoran Đinđid

11%

4. Slobodan Miloševid

3%

5. Boris Tadid

2%

6. Vojislav Koštunica

2%

Keine Antwort, der Befragte weiß es nicht

19%


Den Grund für das Charisma von Vučid finden wir im weit verbreiteten Autoritarismus der Bürger Serbiens. Wir werden das mit der Verteilung von zwei Behauptungen illustrieren.

Der Behauptung, dass dieser Staat einen starken Führer braucht, dem das Volk vertrauen wird und dem es folgen wird, stimmen ungefähr 80% derjenigen zu, die einen dreijährigen Mittelschulabschluß und weniger haben, 70% der Befragten mit einem Mittelschulabschluß und 58% der Befragten mit der Universitätsausbildung. Im Durchschnitt stimmen dieser Behauptung drei Viertel der Befragten, drei von vier Befragten, zu.

Der Behauptung, dass die Situation im Land so schwierig ist, dass sie nur mit einer starken Führung gelöst werden kann stimmen 79% derjenigen mit dem Grundschulabschluß oder ohne einen Grundschulabschluß, 69% derjenigen mit dem dreijährigen Mittelschulabschluß, 60% der Befragten mit dem Mittelschulabschluß und 44% der Befragten mit dem Universitätsabschluß zu. Im Durchschnitt stimmen dieser Behauptung zwei Drittel der Befragten, zwei von drei Befragten, zu.

Zweifelsohne wird das Forschungsergebnis über die Vorherrschaft von Aleksandar Vučid auf der politischen Bühne Serbiens von seinen Anhängern und Sympathisanten begrüßt werden und seine Gegner werden entsetzt sein. Die Wissenschaft wird, wie üblich, schweigen, aus Gründen die nur Wissenschaftlern bekannt sind.

In jedem Fall, wird die folgende Frage gestellt: Ist Vučid eine Marionette in den Händen derjenigen, die auf der Liste der Mächtigen nach ihm zu finden sind (des IWF und der Weltbank, der einheimischen Kapitalisten und Tycoons, der Institutionen der Europäischen Union) oder ist er ein Souverän im souveränen Serbien? Da stellt sich natürlich auch die Frage ob eine andere Position Serbiens und seiner Leader überhaupt möglich ist? In all dem ist nur völlig klar, dass die Bürger Serbiens überzeugt sind, dass sich die Macht die Situation in Serbien zu ändern, in den Händen der vier oben angeführten Mächtigen auf der Liste der Mächtigsten befindet: in den Händen von Vudid, der Weltbank und des IWF, von einheimischen Kapitalisten und der Europäische Union. Es handelt sich um die Macht mit Mitteln zu verfügen um damit die Wirklichkeit in welcher wir leben zu gestalten oder abzubauen. Wir bezweifeln nicht, dass die Träger der Macht ihre Konstruktion der Wirklichkeit im Auge haben, und sie wird in unserer Anwesenheit (als Zuschauer) erweitert und abgebaut.

(3)

Position und Opposition

 Politische Neigungen der Bürger Serbiens haben wir aufgrund von drei Indikatoren erforscht: aufgrund des Statuses des Leaders der herrschenden Partei, der Parteipräferenzen der Bürger auf der Linie Position-Opposition und aufgrund der Bewertungen der Chancen des Präsidentschaftskandidaten der Position und der Opposition auf den künftigen Wahlen. Alle drei Indikatoren zeigen eine ausserordentliche Dominanz in der öffentlichen Meinung des Führungsteams der SNS und der SNS selbst und fast einen völligen Zerfall der Oppositionsparteien.

 

Der Leader der Koalition an der Macht dominiert auf der serbischen politischen Bühne fast absolut. So ein Führerstatus entspricht den Wünschen von mehr als der Hälfte der Bürger.

Die Parteipräferenzen der Bürger, soweit sie bestehen, sind mit den Parteien an der Macht verbunden. Die Neigung zu den Parteien zeigt ein Drittel der Befragten, während die Unterstützung für Oppositionsparteien drei Mal geringer ist (33% zu 11%). Wenn wir nur die Befragten in Betracht ziehen, die eine bestimmte Meinung über die Parteien an der Macht und in der Opposition haben, dann steht das im Verhältnis von 4 zu 1 zugunsten der Parteien an der Macht.

Schlußendlich, die Bewertung der Beziehung zwischen der Regierung und der Opposition wird abgerundet durch die Einschätzung der Bürger Serbiens, dass auf den nächsten Präsidentschaftswahlen die Chancen des Kandidaten der Position neun Mal größer sein werden als die Chancen des Kandidaten der Opposition und fünf Mal größer als die Chancen des unabhängigen Kandidaten.

(4)

Dynamik der serbischen Ängste – Ängste und Angstlosigkeit

Schon länger als ein Viertel Jahrhundert dominieren auf der serbischen politischen Bühne Stimmungen, die von Ängsten und Hoffnungen geprägt sind, dass es zu dem was wir befürchten nicht kommen wird. Die meisten Bürger bewegen sich zwischen Angst und Hoffnung, manche sind von der Angst und manche von der Hoffnung überwältigt, andere aber sind von beidem überwältigt. Wenige Bürger haben aber keine Hoffnung und sie haben auch keine Angst mehr, ihnen wird alles gleichgültig und sie überlassen sich fatalistisch ihrem Schicksal. Da ist auch noch der kleine Anteil der Bürger, die keine Hoffnung oder Angst verspüren. Bei ihnen kommt es nur ab und zu zur Befürchtung sie werden all das verlieren, was sie verdient und geplündert haben während unterschiedlicher Regierungen, trotz aller Kriege und aller Nationalismen, unabhängig von Sanktionen und der Annäherung zur EU und der Welt. Da sind Gründe für eine Einsicht in einige Forschungen aus den letzten 25 Jahren zu finden sowie für Vegleiche mit den Ergebnissen aus dieser Forschung.

 

In einer Forschungsserie vom Zentrum für politologische Forschungen und für die öffentliche Meinung des Instituts für gesellschaftliche Wissenschaften, vom Zentrum für die Forschung von Alternativen und Cesid, die von 1990. durchgeführt wird, können wir die Anwesenheit von Angst bzw. Besorgnis und Angst verfolgen, neben anderen Stimmungen und Gefühlen der Bürger Serbiens.

Vor den ersten mehrparteilichen Wahlen in 1990 war die Angst das Gefühl von 8% der Bürger Serbiens, Hoffnung verspürten 18%, Optimismus 12%, Zweifel und Neugierde je 10% der Bürger.

1996 dominierte negative Energie (Besorgnis, Angst, Gleichgültigkeit, Passivität, Wut, Machtlosigkeit, Verzweiflung) im Vergleich zur positiven Energie (Vertrauen in eine bessere Zukunft, Bereitschaft sich an Änderungen zu beteiligen, Hoffnung, Optimismus) im Verhältnis von 2 : 1. Individuell betrachtet befinden sich die Besorgnis und die Angst an erster Stelle indem sie für 27% der Befragten charakteristisch sind und danach kommt das Vertrauen, dass alles bald überwunden sein wird mit 22%.

Unmittelbar nach den Bombenangriffen 1999 war das Verhältnis zwischen der negativen und positiven Energie weiterhin 2 : 1, aber die Angst war beträchtlich weniger anwesend und war charakteristisch für 6% der Bürger. Aber auf die Frage warum sie am meisten besorgt sind und wovor sie am meisten Angst haben erwähnten 13% der Bürger den Bürgerkrieg an erster Stelle und 9% der Befragten erwähnten die Entlassung, die Unmöglichkeit eine Arbeit zu finden, die Inflation, den Hunger, Krankheiten und die Unmöglichkeit medizinisch behandelt zu werden; 8% erwähnten soziale Unruhen.

Anfang September 2000 vor den „ausschlaggebenden Wahlen“ erwähnte der gleiche Prozentsatz von Befragten die Gefühle der Besorgnis und der Angst (42%) und Gefühle der Hoffnung und des Optimismus (43%).

Für die Jahre 2001 und 2002 war das gleiche Verhältnis zwischen der positiven und negativen Energie (1 : 1) charakteristisch, wobei ein Wachstum der Anzahl derjenigen bemerkbar ist, die Besorgnis und Angst erwähnen (gestiegen von 22% auf 30%) und eine Senkung der Anzahl derjenigen, die das Vertrauen erwähnt haben, dass sich alles zum Guten ändern werde – von 26 auf 21%.

Im Jahr 2003 kam es zum Wachstum der Stimmungen der negativen Energie und der Besorgnis und Angst und im Jahr 2004 kam es wieder zum Ausgleich zwischen der dunklen und hellen Seite der Stimmungen und die Besorgnis und Angst begannen zu sinken.

Im Jahr 2005 begannen Stimmungen der positiven Energie zu dominieren im Verhältnis von 56% zu 44% (1,3 : 1). Jeder dritte Bürger äußerte sein Vertrauen, es würde besser werden und jeder vierte Bürger äußerte Angst.

Ängste 2007 und 2016 (%)

Angst…

Ängste 2007

Ängste 2016

vor Krankheit

35

38

vor einer ungewissen Zukunft

35

31

vor Armut

9

10

vor Krieg

7

8

vor Arbeitsverlust

4

6

vor Naturkatastrophen

5

4

vor politischen Konflikten

5

3

insgesamt

100

100

 

 

 

verspürt Ängste

83

78

verspürt keine Ängste

17

22

insgesamt

100

100


Im Jahr 2007 konnten wir noch eine noch größere Dominanz der positiven Energie im Vergleich zu der negativen Energie beobachten (65% zu 35%, das Verhältnis ist fast 2 : 1). Am häufigsten wird das Vertrauen erwähnt, dass es bald besser werden würde (35%), danach die Hoffnung und der Optimismus (24%) und dann folgen die Besorgnis und die Angst – 14%.

Im Jahr 2010 konnten wir die Reduzierung der Stimmungen der positiven Energie feststellen, aber diese Stimmungen sind auch weiterhin häufiger anwesend (58% gegenüber 42%, bzw. 1,4 : 1). Die Besorgnis und Angst befinden sich auch weiterhin an dritter Stelle (nun mit 16%), vor ihnen befinden sich die Hoffnung und der Optimismus (22%) und das Vertrauen, es würde alles bald besser werden (29%).

Auch im Jahr 2016 waren die Stimmungen der positiven Energie häufiger im Vergleich zu den Stimmungen der negativen Energie (54% gegenüber 40%, bzw. 1,35 : 1). Wie wir feststellen konnten, dominieren die Angst vor Krankheit und die Angst vor der ungewissen Zukunft. 

Anhang - Tabelle

Bildung und Verteilung der demokratischen Werteorientierung

Schule

Negatives Verhältnis

„gemischtes“ Verhältnis

Positives Verhältnis

Insgesamt

Grundschule und

weniger

24

64

12

100

Dreijährige

Mittelschule

30

57

13

100

Mittelschule

24

50

26

100

Hochschule und

Universität

22

45

33

100

Durchschnitt

25

56

19

100

Ck=0,25

 

Bildung und Verteilung des Autoritarismus

Schule

 

autoritär

„gemisches“

Verhältnis

 

Nicht autoritär

insgesamt

Grundschule und

weniger

78

19

3

100

Dreijährige

Mittelschule

68

25

7

100

Mittelschule

48

37

15

100

Hochschule und

Universität

36

36

28

100

Durchschnitt

61

28

11

100

Ck=0,36

 

Bildung und Verteilung der Potenz

Schule

 

Nicht potent

„gemischtes“

Verhältnis

 

Potent

insgesamt

Grundschule und

weniger

25

48

27

100

Dreijährige

Mittelschule

29

46

25

100

Mittelschule

21

38

41

100

Hochschule und

Universität

14

34

52

100

Durchschnitt

23

43

34

100

Ck=0,22

 

 

Bildung und das Verhältnis zu politischen Parteien

Schule

Negatives

Verhältnis

„gemischtes“

Verhältnis

Positives

Verhältnis

insgesamt

Grundschule und

weniger

58

40

2

100

Dreijährige

Mittelschule

59

34

7

100

Mittelschule

58

37

5

100

Hochschule und

Universität

46

44

10

100

Durchschnitt

57

38

5

100

Ck=0,16

 

Bildung und die Bewertung wie distanziert oder nahestehend die Völker im Umfeld im Verhältnis zum Volk des Befragten sind

Schule

Andere Völker sind

distanziert

„gemischtes“

Verhältnis

Andere Völker sind

nahestehend

insgesamt

Grundschule und

weniger

41

49

10

100

Dreijährige

Mittelschule

47

45

8

100

Mittelschule

46

46

8

100

Hochschule und

Universität

37

48

15

100

Durchschnitt

43

47

10

100

Ck=0,11

 

Alter der Befragten und Antworten auf die Frage „Wie leben Sie“? 

Alter

Gut

Mittelmäßig

Schlecht

insgesamt

29 und jünger

49

39

12

100

30-39

38

47

15

100

40-49

29

49

22

100

50-64

19

46

35

100

65 und älter

15

50

35

100

Durchschnitt

27

47

26

100

Ck=0,31

 

Bildung und Arbeitsverhältnis

Schule

beschäftigt auf  unbestimm-

te Zeit

beschäftigt auf  bestimmte

Zeit

 

Werkvertrag, andere

Verträge...

 

 

Schwarzar- beit

Arbeitet auf dem eigenen

Grundstück

 

 

Arbeitet nicht

 

insgesamt

Grundschule

und -

9

2

3

12

10

64

100

Dreijährige

Mittelschule

21

7

2

11

6

53

100

Mittelschule

32

9

3

9

5

42

100

Hochschule

und Universität

44

13

5

3

2

33

100

Durchschnitt

23

7

3

10

6

51

100

Ck=0,33

*        *        * 

Die Ergebnisse der Omnibus-Forschung der öffentlichen Meinung des Forschungs- und Verlagszentrums DEMOSTAT sind öffentlich. Alle Untersuchungsfragen und Antworten werden auf der Website www.demostat.rs vom Donnerstag den 17. November 2016 veröffentlicht werden.

(Vorbereitet von Srećko Mihailović)

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